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Die nasse Natur breitet sich ausWie die gezeiten wieder im Zwin regieren

Het Zwin vogel

Die Versandung drohte das Naturgebiet Het Zwin immer stärker trockenzulegen und dadurch allerlei Pflanzen- und Vogelarten zu vertreiben. Aber dank eines gemeinsamen Einsatzes von Belgien und den Niederlanden breitet sich die nasse Natur jetzt erst recht aus. „Küstenvögel schlagen sich hier den Bauch voll.“

Het Zwin natuurgebied
Het Zwin natuurgebied
Het Zwin natuurgebied
Het Zwin natuurgebied

Das Naturgebiet Het Zwin in Südflandern ist eine Marsch; ein Gezeiten-Zwischengebiet, in dem das Meerwasser durch einen Priel in den Dünen in das Land vordringen kann. Bei Ebbe liegt das Gebiet über dem Wasser, bei Flut wird ein großer Teil unter Wasser gesetzt. „Wegen des Wechsels zwischen nass und trocken, aber auch zwischen Salz- und Süßwasser und zwischen Lehm und Sand weist das Naturgebiet eine große Vielfalt auf“, erläutert Fred Schenk, Bezirksleiter Süd der Stiftung Het Zeeuws Landschap. „Wenn wir nicht eingreifen, würde dieser Priel verschlammen mit der Folge, dass die Schlickböden und Groden in dem Gebiet verloren gehen würden.“ Schlickböden sind unbewachsene Flächen im Vordeichland, die bei jeder Flut vom Wasser bedeckt werden und wo viele Arten von Würmern, Krabben und Muscheln leben. Wenn eine Schlickfläche verschlammt und dadurch an Höhe gewinnt, kann sie zu einem Groden werden: einem Stück Land, das bei Flut nicht vom Wasser überspült wird, wohl aber von zahlreichen Rinnen durchzogen wird.

Het Zwin natuurgebied

Die Natur ist auf neuen Fahrrad- und Wanderwegen von zahlreichen Aussichtspunkten aus vollständig zu überblicken.

Ebbe und Flut beachten

In Het Zwin gibt es viel zu sehen und zu erleben. Aber achten Sie immer auf die Gezeiten: Passieren Sie rechtzeitig den Zwin-Priel, denn sonst können Sie – bis wieder Ebbe ist – nicht zum Festland zurück.

In den nach der Flut übrig gebliebenen Tümpeln bleiben Krabben und Jungfische zurück, ein Tischleindeckdich beispielsweise für den kleinen Silberreiher

Fred Schenk

Reiner Naturschutz

Das alte Zwin war 213 Hektar groß. Schenk: „Dank der Erweiterung des internationalen Deichs zwischen Het Zwin und dem belgischen Leopoldpolder wurde es um 120 Hektar vergrößert. Der Deich bestand seit 1872. Der Leopoldpolder wurde sozusagen der Natur ‚zurückgegeben‘.“ Von dem neuen Naturgebiet liegen 110 Hektar auf belgischem Gebiet und 10 Hektar in den Niederlanden. Die Arbeiten in Het Zwin begannen im März 2016 und wurden von den Verwaltungsbehörden des Gebiets durchgeführt: Het Zeeuws Landschap, Provinz Westflandern und die Agentur Natuur en Bos. „Bei der Erweiterung haben unsere südlichen Nachbarn die Hauptlast getragen“, sagt Schenk. „Jetzt stimmen wir die Verwaltung eng miteinander ab. Aber das Vordeichland wird vor allem vom Meer beherrscht. Die Gezeitenbewegung ist die wichtigste Herrschaftsform des gesamten Naturgebiets. Man kann einige Grodenflächen immer von Schafen oder Rindern begrasen lassen, aber mehr an Steuerung ist dank Ebbe und Flut kaum nötig. So ist die von uns kultivierte Natur wieder ganz schnell rein geworden.“

Nahrung für Vögel

Aber was bedeuten die Anpassungen nun genau für die Natur? „Am wichtigsten ist, dass zweimal täglich Ebbe und Flut ist. Da der Leopoldpolder schon tiefer lag als das durch den Schlamm aufgeschüttete ‚alte‘ Zwin-Gebiet, ist es jetzt ein nasser, schlickreicher Ort, an dem sich schon rasch kleine Bodentiere angesiedelt haben. In den nach der Flut übrig gebliebenen Tümpeln bleiben Krabben und Jungfische zurück, ein Tischleindeckdich beispielsweise für den kleinen Silberreiher“, berichtet Schenk. „Auch bilden die Tierchen jetzt eine Nahrungsquelle für Vögel, die in dem Gebiet brüten, und für die Tausende von Vögeln, die im Frühjahr und Herbst hier vorbeiziehen. Es ist ein dauerndes Kommen und Gehen von Entenvögeln, Regenpfeifern, Austernfischern und Brachvögeln – sie alle schlagen sich dort den Bauch voll.“

Fred Schenk
Het Zwin natuurgebied

Sichere Inseln

Im Zwin-Gebiet sind auch Vogelinseln angelegt, berichtet Schenk. „Viele Küstenbrutvögel haben es schwer. Einen sicheren Brutplatz zu finden wird immer schwieriger. Vor allem für die Schwalbenvögel – wie die Flussseeschwalbe, die Zwergseeschwalbe und selbst die Brandseeschwalbe –, aber auch für den Regenpfeifer und den Sandregenpfeifer. Diese Regenpfeifer sind Kahlbodenbrüter, die am liebsten irgendwo an einem Muschelstrand sitzen. Bodenraubtiere wie Füchse und Marder können in Küstenbrutkolonien ungehindert ihr Unwesen treiben. Aber zu den Inseln können sie nicht gelangen, dort sind die Vögel sicher. Darauf wurde bei der Anlage des Gebiets geachtet.“

Pionierpflanzen

Die Anpassung an eine neue Lebensumgebung für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren verläuft Schenk zufolge recht schnell. „Der Leopoldpolder war im vergangenen Jahr noch ein Süßwassergebiet, wird jetzt aber täglich mit Salzwasser gespeist. Dadurch erfährt auch die Vegetation eine gewaltige Veränderung von Süßwasser- hin zu salzliebenden Pflanzen. Nackter Schlickboden bietet Möglichkeiten für Pionierpflanzen, die sich durch Samenausbreitung dank der Ebbe- und Flutbewegungen ziemlich rasch ansiedeln können. Diese Pflanzen – Queller, Salzaster und Strandnelke – brauchen allerdings eine gewisse Trockenfallzeit, um keimen zu können und dort heranzuwachsen.“

Fred Schenk in Natuurgebied Het Zwin

Aussichtspunkte

Seit diesem Frühjahr ist die Mündung von Het Zwin allgemein zugänglich, im weiteren Verlauf des Naturgebiets ist das Gelände im Interesse der reichen Vogelwelt gesperrt. Die Zeeuwse Landschap veranstaltet hier wöchentlich und nach Vereinbarung in den Sommermonaten Erkundungsausflüge. Somit ist das Gebiet in Begleitung eines Führers auch „von innen“ zu entdecken. „Sogar ein Teil des Gebiets, das bei Flut von Wasser überspült wird“, erläutert Schenk. „Außerdem ist die Natur auf neuen Fahrrad- und Wanderwegen von zahlreichen Aussichtspunkten aus vollständig zu überblicken.“

Übernachten bei Largo, in der Nähe von Het Zwin

Auch außerhalb der Natur von Het Zwin sind an der seeländisch-flämischen Küste Ruhe, viel Platz und Entspannung zu finden. Das gilt ganz sicher unter anderem für die Premium-Unterkünfte von LARGO De Parade in Cadzand-Bad. Die Villen bieten jeden erdenklichen Komfort, von modernen Geräten und einer Sauna bis hin zu einem geräumigen Garten an der Südseite. Ein Ort, an dem man sich frei fühlt, wie ein Vogel in Het Zwin.

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